Trends des Interior Designs 2021

Die ICONIC AWARDS: Innovative Interior als Trendbarometer

Ecology 2.0

Weit mehr als ein Trend, vielmehr ein ethisches Leitbild ist Ecology 2.0. Die Forderungen nach einer nachhaltigen Wirtschaft und ökologisch bewussten Lebensformen führen zu einem historischen Wertewandel. Nicht nur die Generation Y fragt zunehmend nach Herstellungsprozessen, Lieferketten und Materialien. Mit der Coronapandemie hat sich laut Studien das Bewusstsein für eine Verknappung natürlicher Ressourcen weiter verstärkt. Verbraucher wechseln zu weniger bekannten Marken, wenn sie diese als nachhaltiger empfinden, und bauen zu diesen eine langfristige emotionale Bindung auf.

Was mal als langweilig galt, ist heute nachhaltig. Statt der Flug-Mango stehen regionale Produkte hoch im Kurs. Mussten früher Einrichtung und Garderobe regelmäßig ausgetauscht werden, um im neuesten Trend zu sein, erfahren nun langlebige Produkte eine neue Wertschätzung. Hersteller sind zunehmend in der Pflicht, die Nachhaltigkeit ihrer Produktionsprozesse und Wertstoffe nachzuweisen, die Zeit des Greenwashing ist vorbei. Laut Maurizio Montalti, Pionier in der Erforschung und Entwicklung von mycelbasierten Technologien zur Herstellung natürlicher Biomaterialien und Produkte, können Ökolabel ein gutes Instrument sein, um Verbrauchern Orientierung zu geben. Hersteller wiederum können sich durch eine solche Zertifizierung Wettbewerbsvorteile im Markt verschaffen.

Unter den Gewinnern der ICONIC AWARDS: Innovative Interior 2021 finden sich viele Projekte, die den Ecology-2.0-Trend in ihren Produkten umsetzen. Das Sitzmöbel „Adell“ von Arper ist mit einem Bezugsstoff aus 80 Prozent recyceltem Polypropylen ausgestattet. Der Kunststoff wurde bewusst als hochwertiges Material betrachtet, haptische Qualitäten wurden betont. Eine organische Oberflächenstruktur, die an die konzentrischen Kreise der Jahresringe von Bäumen erinnert, lässt an Naturmaterial denken, ohne es zu imitieren. Die dänische Möbelfirma Wehlers hat mit „R.U.M.“ (ReUsed Materials) den ersten Stuhl aus Meeresplastik hergestellt. Das Kreislaufdenken wird durch die Verwendung von nur zwei Materialien (Meeresplastik und recycelter Stahl) unterstützt, die zu 100 Prozent recycelt werden können. Das „One Piece Wallcover" von Brainstoxx GmbH ist eine Tapete aus Recyclingmaterial, die individuell nach Kundenwunsch angefertigt und in einem Stück geliefert wird. Sie lässt sich leicht anbringen und wie ein Sticker von der Wand ziehen. So ist sie mobil und kann auch nach einem Umzug wieder eingesetzt werden. Bei Verschmutzung wird die Tapete mit einem feuchten Tuch oder in der Waschmaschine gereinigt – ein langlebiges Produkt, das nach Gebrauch wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Beispielhafte Projekte:

Onepiece wallcover von Brainstoxx
Eco Lite von Woll
GROHE Blue Pure von der Grohe AG
HANSAACTIVEJET Digital von HANSA Armaturen
R.U.M. von Wehlers APS

Living Multispaces

© aesthetika.eu

Heim oder Arbeitsplatz? Wohn- und Arbeitswelten verschmelzen spätestens seit der Coronapandemie, ermöglicht durch die voranschreitende Digitalisierung. Dieser Trend wird sich laut Studien in Zukunft durchsetzen, da sich das Homeoffice im Rahmen einer flexiblen Arbeitswelt zum New Normal mit neuer Wertschätzung entwickelt. Als Bereich des Activity Based Working, in dem man je nach Aktivität den dafür geeigneten Raum aufsucht, soll das Homeoffice als Ort des konzentrierten Arbeitens und der Basistätigkeiten dienen. Für kreative Kollaboration mit Kollegen werden laut Trendforschern passende Zonen in modernen Bürowelten geschaffen.

Doch was bedeutet dieses Szenario für das heimische Interieur? Esstische oder Sofas können nur vorrübergehend als Arbeitsplatz dienen und sind nicht ergonomisch. Nur wenige Menschen verfügen über genügend Raum für ein eigenes Arbeitszimmer. Daher werden neue Arbeitsmöbel benötigt, die sich in das Interieur einfügen und in der Freizeit keinen Störfaktor darstellen. Die Anforderungen an die neuen Möbel sind laut Designer Nils Holger Moormann hochgesteckt: »Eine akustisch wirksame Raum-im-Raum-Lösung mit der passenden Lichtstimmung stellt für mich den Idealfall dar, da sie Möglichkeit zum Rückzug innerhalb der Familie bietet. Das Büromöbel sollte zudem so wandelbar und multifunktional sein, dass es während der Arbeit alle Aufgaben erfüllen kann und danach nicht mehr als Arbeitsmöbel zu erkennen ist.«

In der aktuellen Gewinnerliste der ICONIC AWARDS: Innovative Interior lösen die Möbelmodelle aus der Reihe »movo« des kroatischen Unternehmens Sobočan diese veränderten Anforderungen an Arbeitsplatzmöbel beispielhaft ein. »movo« zeichnet sich durch höchste Flexibilität aus: Mobil, faltbar und platzsparend lässt sich der Arbeitsplatz nach Feierabend mit wenigen Handgriffen in ein Sideboard verwandeln oder in einen anderen Raum schieben. Ausgestattet mit zwei Steckdosen und USB-Anschlüssen ist der Arbeitsplatz vollkommen autark und überall einsetzbar. Da »movo« verschließbar ist, sind sensible Dokumente sicher aufbewahrt.

Einen kompakten Arbeitsplatz für zu Hause bietet der »Secretair Home« der Sedus Stoll AG. Klare Linien und eine organische Form mit umgreifender Blende erinnern an einen klassischen Sekretär. Obwohl das Möbel wenig Platz benötigt, bietet es genügend Ablagefläche für Büro-Utensilien. Der hohe Anspruch der Nachhaltigkeit, der in den Sedus-Unternehmensgrundsätzen verankert ist, zeigt sich hier in der Filzblende aus recyceltem PET-Material.

Beispielhafte Projekte:

Calina. DESK von calina.systems GmbH
Combina D von L&L Luce&Light srl
Movo von Sobocan d.o.o.
nido von nido e.K.
Se:mood von der Sedus Stoll AG
TAKEoSEAT von Klöber
The Wall von der Orea AG
UME Sensor Dispenser von ZONE Denmark

New Simplicity

Salva Lopez

Die eigene Wohnwelt ist im Zuge der Coronapandemie in den Fokus gerückt. Länger andauernde Aufenthalte im eigenen Zuhause wecken neue Ansprüche. Dabei wird deutlich: Qualität und Langlebigkeit sind wieder gefragt. Was vorher vor allem in der Mode galt, verlagert sich nun ins Interior. Möbel drücken ein neu etabliertes Bewusstsein für veränderte Lebensumstände und die eigene Haltung und Persönlichkeit aus.

Die Hinterfragung der Wachstumslogik übersetzt sich im heimischen Lebensraum in den Wunsch nach Reduktion. Damit steigt die Nachfrage nach zeitlosen, puristischen Statement-Stücken und Mehrgenerationenmöbeln. Klare Linien und eine zeitlose Sachlichkeit zeichnen die Einrichtungsgegenstände aus, flexibel sollen sie sein und auch in den nächsten Jahren noch gefallen. Formale Reduktion und Funktionalität treten in den Vordergrund, ohne auf atmosphärische und sinnliche Qualität zu verzichten. Heute spart man lieber etwas länger und entscheidet sich für die Einrichtung, die einem als Lebensbegleiter längere Freude verspricht. Sie schafft Ordnung und Platz. Weniger, dafür bewusst ausgewählte Eyecatcher bringen Ruhe ins Heim. Es geht darum, Freiräume zu schaffen und dabei seine Persönlichkeit in den eigenen vier Wänden zum Ausdruck zu bringen. So entsteht Raum für individuelle Erbstücke, Maßanfertigungen und konfigurierbare, modulare Möbel, die in Farbe, Form und Material ganz auf Wunsch gestaltet werden können.

Beispielhafte Projekte:

Adell von Arper
Gira Cube von Gira Giersiepen
LavaPura von Hansgrohe
NikolaTesla Fit von Elica
Rainbutton von Hansgrohe
Step Light von Centrsvet
Stoccolma von OliveLab